Die Stiftung IBZ St. Marienthal nutzt Künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug — in der Projektarbeit und bei der Konzeption von Bildungsangeboten.
Unser Einsatz folgt einem klaren Grundsatz: Technologie dient den Menschen, nicht umgekehrt. Die vorliegende Richtlinie beschreibt, wie wir KI verantwortungsvoll, transparent und im Einklang mit unseren Stiftungswerten einsetzen.

1. Präambel: KI als Werkzeug im Dienst der Begegnung und Bildung

Die Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal setzt Künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug in Projektarbeit und bei der Konzeption von Bildungsangeboten ein.
Als werteorientierte Bildungs- und Begegnungseinrichtung verstehen wir Technologie nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten – insbesondere in den Bereichen Strukturierung, Kreativität und effiziente Wissensvermittlung. Unser Einsatz von KI folgt dabei einem klaren Grundsatz: Technologische Innovation darf niemals die menschliche Verantwortung ersetzen. KI dient uns als Instrument zur Entlastung von Routineaufgaben, zur Generierung von Ideen und zur Unterstützung komplexer Entscheidungsprozesse – stets unter der Prämisse, dass die finale Bewertung, Interpretation und Verantwortung bei den Mitarbeitenden verbleibt.

Diese Richtlinie regelt den verantwortungsvollen, transparenten und ethisch fundierten Umgang mit KI-Systemen im Einklang mit unserem Stiftungsauftrag: Begegnung fördern, Bildung gestalten und Werte leben.

2. Augmentation vor Automation: Unser Rollenverständnis

Die Stiftung IBZ versteht KI nicht als Instrument der Automatisierung, sondern als Werkzeug zur Augmentierung menschlicher Kompetenzen. Ihr primärer Nutzen liegt in der Fähigkeit, strategische Denkprozesse zu unterstützen, indem sie komplexe Sachverhalte strukturiert, kreative Varianten entwickelt und repetitive Aufgaben effizienter gestaltet. Dabei ist entscheidend, dass KI keine menschliche Urteilsfähigkeit ersetzt, sondern erweitert. Die Rolle der Mitarbeitenden verschiebt sich von der bloßen Ausführung hin zur kritischen Reflexion, Qualitätssicherung und strategischen Weiterentwicklung der generierten Inhalte.

Jeder durch KI erzeugte Output wird als Arbeitsgrundlage verstanden, die einer menschlichen Prüfung, Anpassung und Freigabe bedarf. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung von Abhängigkeiten: KI-Systeme werden so eingesetzt, dass sie die pädagogische Souveränität der Mitarbeitenden stärken – nicht schwächen. Dies bedeutet konkret, dass keine Entscheidungsverantwortung an algorithmische Systeme delegiert wird, keine unkritische Übernahme von KI-generierten Inhalten ohne fachliche und ethische Prüfung erfolgt und eine klare Abgrenzung zwischen technischer Unterstützung und menschlicher Führung besteht.

3. Menschliche Verantwortung in allen Phasen des KI-Einsatzes

Unabhängig vom konkreten Anwendungsbereich bleibt der Mensch zentraler Akteur im Umgang mit KI. Diese Verantwortung manifestiert sich in drei Kernbereichen: der verantwortungsvollen Eingabe, der kritischen Prüfung der Ergebnisse und klaren Freigabeprozessen.

Mitarbeitende entscheiden bewusst, welche Inhalte in KI-Systeme eingegeben werden und welche nicht. Sensible, personenbezogene oder vertrauliche Daten dürfen niemals in offene KI-Tools eingepflegt werden. Stattdessen gelten die Grundsätze der Datenminimierung, Anonymisierung und Zweckbindung. KI-generierte Inhalte werden systematisch auf fachliche Richtigkeit, Plausibilität und mögliche Verzerrungen geprüft. Veröffentlichungsrelevante Inhalte durchlaufen verbindliche Freigabeprozesse durch die Geschäftsleitung oder Abteilungsleitung.

Für jede KI-Anwendung ist eine verantwortliche Person benannt, die für die Einhaltung dieser Richtlinie, die Dokumentation des Einsatzzwecks und der Ergebnisse sowie die Weitergabe von Erkenntnissen an das Team sorgt.

4. Transparenz als Grundlage von Vertrauen

Transparenz ist ein zentraler Pfeiler verantwortungsvoller KI-Nutzung im IBZ. Sie schafft Vertrauen – sowohl innerhalb der Stiftung als auch gegenüber externen Partner:innen, Teilnehmer:innen und der Öffentlichkeit. Im IBZ ist nachvollziehbar dokumentiert, welche KI-Tools eingesetzt werden, zu welchem Zweck sie genutzt werden und wer für ihren Einsatz verantwortlich ist. Diese Informationen werden in einem schlanken KI-Register erfasst, das allen Mitarbeitenden zugänglich ist.

Nach außen kommunizieren wir offen und proaktiv, dass KI als unterstützendes Werkzeug eingesetzt wird – ohne sie als eigenständige Autorin oder Entscheidungsinstanz darzustellen. In Veröffentlichungen wird bei substantieller KI-Unterstützung ein Hinweis aufgenommen, und auf Nachfrage wird Auskunft über den Einsatzzweck gegeben.

KI-gestützte Prozesse dürfen niemals als „Black Box“ erscheinen. Wenn KI zur Vorbereitung von Entscheidungen genutzt wird, muss die verantwortliche Person die Grundlage der Empfehlungen nachvollziehbar erläutern können. Dies umfasst die Art der genutzten Daten, die Fragestellung an das KI-System und die menschliche Bewertung der Ergebnisse.

5. Datenschutz und Schutz der Privatsphäre: Unverhandelbare Priorität

Der Schutz personenbezogener Daten hat für das IBZ oberste Priorität. Der Einsatz von KI darf niemals zu einer Aufweichung der geltenden Datenschutzstandards führen. In öffentlich zugängliche KI-Tools dürfen keine personenbezogenen Daten eingegeben werden. Auch bei der Nutzung interner oder geschlossener KI-Systeme gelten strenge Regeln zur Datenminimierung und Anonymisierung.

Alle Mitarbeitenden werden regelmäßig für die Risiken KI-gestützter Datenverarbeitung sensibilisiert. Die Datenschutzbeauftragte der Stiftung steht für Rückfragen zur Verfügung und prüft im Zweifel die Zulässigkeit geplanter KI-Anwendungen. Der Umgang mit Daten in KI-Systemen richtet sich nach der Datenschutzgrundverordnung, den Vorgaben des EU AI Act und den internen Datenschutzrichtlinien des IBZ.

6. Datenqualität, Bias und Fairness: Kritische Reflexion als Pflicht

KI-Systeme sind nicht neutral. Sie reproduzieren und verstärken unter Umständen gesellschaftliche Ungleichheiten, stereotype Darstellungen oder einseitige Perspektiven. Das IBZ begegnet dieser Herausforderung mit einer dreistufigen Strategie: der bewussten Auswahl der Eingangsdaten, der systematischen Bias-Prüfung und der Verankerung von Fairness als institutionellem Wert.

Die Qualität KI-generierter Ergebnisse hängt maßgeblich von den eingespeisten Daten ab. Daher werden Diversität, Aktualität und Kontextualisierung der Daten sichergestellt. Jeder KI-generierte Output wird auf mögliche Verzerrungen untersucht, insbesondere in sprachlichen Darstellungen, inhaltlichen Schwerpunkten und Empfehlungen. Fairness ist für das IBZ kein technisches Detail, sondern Ausdruck unserer Werte. Entscheidungen mit potenziell diskriminierender Wirkung werden niemals automatisiert getroffen.

7. Erklärbarkeit und Qualitätssicherung: Kontinuierliche Verbesserung

KI-gestützte Prozesse müssen nachvollziehbar, prüfbar und verbesserungsfähig sein. Das IBZ setzt auf ein dreigliedriges Qualitätssicherungssystem: die Nachvollziehbarkeit jedes Schrittes, die regelmäßige Evaluation und eine Fehlerkultur als Lernchance.

Die Dokumentation der Eingaben, die Protokollierung der Ergebnisse und die Begründung der menschlichen Entscheidung sind zentrale Elemente. Der Einsatz von KI wird mindestens einmal jährlich im Team reflektiert, und Fehler oder unerwartete Ergebnisse werden als Lernchance verstanden und offen kommuniziert.

8. Rechtliche Rahmenbedingungen: Compliance als Selbstverständlichkeit

Der Einsatz von KI unterliegt zahlreichen rechtlichen Vorgaben, deren Einhaltung für das IBZ unverhandelbar ist. Besonders relevant sind das Datenschutzrecht, der EU AI Act und nationale Regularien sowie Urheber- und Lizenzrecht. Die Stiftung haftet für die Ergebnisse KI-gestützter Prozesse – nicht die KI selbst. Bei externen Dienstleistern sind Haftungsregelungen vertraglich zu klären.

9. Dokumentation und organisatorische Umsetzung: Praktikabel und transparent

Eine wirksame KI-Richtlinie muss praktikabel umsetzbar sein – ohne unnötige Bürokratie. Das IBZ setzt auf schlanke, aber effektive Dokumentationsprozesse: Ein KI-Register, digitale Arbeitsordner und plattforminterne Chatverläufe dienen als zentrale Elemente. Das KI-Register enthält eine Liste der zugelassenen Tools, den primären Anwendungsbereich, die verantwortliche Person und das Datum der letzten Prüfung.

10. Institutionelle Werte und ethische Verankerung: KI im Dienst der Begegnung

KI wird im IBZ niemals als Selbstzweck eingesetzt, sondern stets im Dienst unseres Stiftungsauftrags. Sie darf keine manipulativen Kommunikationsmuster fördern und muss die kritische Urteilsfähigkeit stärken – statt sie zu schwächen. Menschenwürde, Dialogfähigkeit und demokratische Verantwortung bleiben unantastbar.

11. Kompetenzentwicklung und Organisationslernen: KI als Chance für Weiterbildung

Verantwortungsvolle KI-Nutzung setzt Kompetenz voraus. Das IBZ fördert die kontinuierliche Weiterentwicklung seiner Mitarbeitenden durch regelmäßige Schulungen, Erfahrungsaustausch und individuelles Lernen. Schulungen umfassen Grundlagenwissen, praktische Anwendung und kritische Reflexion.

12. Risikobewusstsein und Zukunftsperspektive: Wachsam und anpassungsfähig bleiben

KI-Technologien entwickeln sich rasant weiter – mit neuen Chancen und Risiken. Das IBZ begegnet dieser Dynamik mit einer dreifachen Strategie: wachsamer Beobachtung, bewussten Risikomanagement und der Priorisierung von Werten vor Bequemlichkeit. Im Zweifel hat die Wahrung unserer Stiftungswerte Vorrang vor technischer Effizienz.

13. Schlussbestimmung: KI als Werkzeug – der Mensch im Mittelpunkt

Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug – aber sie bleibt ein Werkzeug. Ihr Einsatz im IBZ folgt stets dem Grundsatz: Technologie dient den Menschen – nicht umgekehrt. KI stärkt unsere Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten, kreativ zu denken und effizient zu kommunizieren. Sie ersetzt jedoch weder unsere Haltung noch unsere Verantwortung.

Die Stiftung IBZ St. Marienthal setzt KI so ein, dass sie unseren Bildungsauftrag unterstützt, unsere Werte wahrt und Vertrauen fördert – intern wie extern.

 

Stand: April 2026
Ansprechpartner: René Seidel, seidel@ibz-marienthal.de, 035823 20 95 31